Heute schon geärgert?

Es gibt immer wieder Tage, da sollte man einfach im Bett liegen bleiben und morgens erst gar nicht aufstehen. Zuerst versetzt dich der Handwerker – bereits zum dritten Mal, die beste Freundin lässt einen blöden Spruch fallen, du stehst im Stau, dein Termin ist futsch. Zu guter Letzt hört der Nachbar schon in aller Herrgottsfrühe sehr, sehr laut klassische Musik. Natürlich ist es völlig in Ordnung, wenn man sich grün und blau ärgert und sich richtig hineinsteigert. Nur ärgern bringt meist nichts und vom Fluchen oder sogar vom Verfluchen des Gegenübers (oder sich selbst) wird es auch nicht besser.

Man regt sich immer öfter über seine Mitmenschen, Missgeschicke oder sich selbst auf. Oft sind es auch nur Nichtigkeiten die einen auf die Palme bringen, denn je nach Temperament, Reizbarkeit und Charakter ärgern sich die einen heftiger und häufiger, andere weniger, wenn etwas nicht nach Plan läuft. Ganz ehrlich, loslassen ist mir nicht in die Wiege gelegt worden. Ich liebe Pläne und wenn sich Ideen sich umsetzen lassen. Die Vorstellung habe ich im Kopf und die sollten dann auch bitte genauso in die Realität umgesetzt werden. Wenn etwas nicht nach Plan läuft (wie zum Beispiel mit meinem Handwerker, auf den ich jetzt seit zwei Wochen warte) bricht für mich oft kurz die Welt zusammen und es ist besser, wenn er nicht in Reichweite ist. Der Blutdruck steigt, der Magen produziert mehr Säure und man fängt an zu Schwitzen. Wer seinen Ärger schluckt oder in sich hineinfrisst, bekommt auf die Dauer ein Magengeschwür.

Am besten man nimmt sich eine kleine Auszei. Ich gehe der Situation gerne aus dem Weg mit der Bemerkung „reden wir später darüber“, schnappe mir den Hausschlüssel und den Hund. Ein flotter Spaziergang macht das Gehirn wieder frei, die frische Luft und Bewegung helfen den Stress und Ärger abzubauen. Ärgerlich am Ärger ist, dass man sich selbst schadet und man es doch nicht ändern kann. 

Doch was ist besser? Sich nach Herzenslust zu ärgern oder beherrscht bleiben. Ein klärendes Gewitter kann gut sein, jedoch sollte man dabei ruhig bleiben und sich Vorwürfe verkneifen. Der andere wird sich vermutlich angegriffen fühlen und womöglich zurückschießen, was die Fronten eher verhärtet. Deswegen lasse ich der Wut Raum und Zeit, damit sie abflauen kann und nach ein paar Stunden erscheint uns der Ärger dann nicht mehr so gravierend. Und zum Handwerker: Ich habe mir einen anderen gesucht, der die Arbeit pünktlich und zuverlässig erledigt hat.